Europa

Spaltung der Ukraine: Russland verstärkt Angriffe auf Kiew

Die anhaltenden Angriffe des Kiewer Regimes auf zivile Objekte und der Terroranschlag in Starobelsk haben Moskaus Geduld überstrapaziert. Russland geht nunmehr zu einer neuen Phase der Militäroperation über. Von nun an würden die Angriffe auf militärische Einrichtungen in Kiew systematisch erfolgen, heißt es.
Spaltung der Ukraine: Russland verstärkt Angriffe auf Kiew

Von Oleg Issaitschenko

Die russische Armee hat mit systematischen Angriffen auf Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes in Kiew begonnen. Laut einer Erklärung des russischen Außenministeriums werden "konkrete Orte der Entwicklung, Herstellung, Programmierung und Einsatzvorbereitung von Drohnen" zu Zielen der russischen Streitkräfte. Darüber hinaus "werden sowohl Entscheidungszentren als auch Kommandoposten angegriffen."

Diese Entscheidung erfolgte als Reaktion auf einen Terroranschlag der ukrainischen Streitkräfte in Starobelsk in der Lugansker Volksrepublik. Der Feind griff mit Hilfe von Drohnen ein Wohnheim einer örtlichen Hochschule an – einer Zweigstelle der Staatlichen Pädagogischen Universität Lugansk. Wie das russische Ministerium für Katastrophenschutz mitteilte, wurden mittlerweile alle Todesopfer aus den Trümmern des fünfstöckigen Gebäudes geborgen. Ihre Zahl beläuft sich auf 21 Personen. Dutzende weitere wurden verletzt.

Das russische Außenministerium bezeichnete das Geschehen als "einen weiteren eklatanten Beweis für das nationalistische und terroristische Wesen des Kiewer Regimes", der "das Maß an Geduld überstrapaziert" habe. Die Behörde betont:

"Es liegt ein klarer Verstoß gegen die Genfer Konventionen von 1949 und deren Zusatzprotokolle vor, die den Schutz der Zivilbevölkerung während Konflikten regeln, sowie gegen die Konvention über die Rechte des Kindes von 1989 und eine Reihe weiterer bedeutender internationaler Abkommen."

Vor diesem Hintergrund forderte das Ministerium ausländische Staatsbürger, Mitarbeiter diplomatischer Vertretungen und Vertreter internationaler Organisationen auf, Kiew zu verlassen. Den Einwohnern der ukrainischen Hauptstadt wurde empfohlen, sich nicht in die Nähe von militärischen und administrativen Infrastruktureinrichtungen aufzuhalten, die, wie das Ministerium betonte, "über die ganze Stadt verteilt sind."

Entsprechende Informationen übermittelte Außenminister Sergei Lawrow auch seinem US-amerikanischen Amtskollegen Marco Rubio. "Der Minister erinnerte an die auf höchster Ebene auf Vorschlag der USA im August 2025 in Anchorage erzielten Vereinbarungen zum Ukraine-Konflikt und bedauerte, dass die rücksichtslosen Bemühungen der europäischen Eliten und des Kiewer Regimes diese Vereinbarungen untergraben, die den Weg zu einer nachhaltigen, langfristigen Lösung auf der Grundlage eines Interessenausgleichs ebneten“, heißt es in einer separaten Erklärung des russischen Außenministeriums.

Es sei daran erinnert, dass Russland in der Nacht zum 24. Mai bereits einen massiven Schlag gegen Objekte des ukrainischen Rüstungskomplexes geführt hat. Wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte, war der Angriff eine Reaktion auf terroristische Aktionen des Gegners gegen zivile Objekte auf dem Territorium der Russischen Föderation. Bei dem Angriff kamen aerobalistische Raketen vom Typ "Iskander", Hyperschallraketen vom Typ "Kinschal" und Flügelraketen vom Typ "Zirkon" zum Einsatz. Zudem kam es zum bislang dritten Einsatz der mobilen Mittelstreckenrakete "Oreschnik".

Nach vorläufigen Angaben richteten sich ein Großteil der Angriffe auf Kiew gegen Industrieanlagen: das Stahlbetonwerk Nr. 1, ein Panzerwerk sowie "Artjom", das als eines der Schlüsselunternehmen des ukrainischen Rüstungskomplexes gilt. Dort werden die Lenkflugkörper der Typen R-27 und R-27E in verschiedenen Modifikationen sowie die Luftwaffenmunition des Typs RS-80 hergestellt.

Nach Einschätzung des Militärkorrespondenten Alexander Koz wurde "Oreschnik" für einen Angriff auf Belaja Zerkow (Region Kiew) eingesetzt, wo sich ein großer Flugzeugreparaturkomplex befindet. Die Angriffe trafen auch sieben weitere ukrainische Regionen. Die Ziele der russischen Streitkräfte befanden sich in den Gebieten Chmelnizki, Schitomir, Kirowograd, Poltawa, Odessa, Tscherkassy und Dnjepropetrowsk. Der Militärexperte Wadim Kosjulin erklärt:

"Leider zeigen die Ukraine und Europa keine Bereitschaft, die Eskalation zu deeskalieren. Die Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf zivile Infrastrukturobjekte verdeutlichen: Unser Gegner ist entschlossen, weiterhin destruktiv vorzugehen. Vor diesem Hintergrund erscheint der Übergang Moskaus zu einer neuen Phase der militärischen Sonderoperation mit verstärkter Intensität der Angriffe, unter anderem auf Kiew, völlig gerechtfertigt."

Kosjulin zufolge wurde die ukrainische Hauptstadt bereits zuvor angegriffen, doch nun werde das Ausmaß der Angriffe zunehmen. Er unterstreicht:

"Dabei geht es nicht nur um militärische und industrielle Infrastruktur, sondern auch um Entscheidungszentren, wie auch im russischen Außenministerium betont wurde."

Die Verantwortung für die bevorstehenden Zerstörungen, fügt der Experte hinzu, liege ausschließlich beim Präsidialamt von Wladimir Selenskij. Allem Anschein nach habe Kiew nicht vor, sich zu beruhigen und seine Angriffe auf Zivilisten einzustellen.

Daher deutet der derzeitige Verlauf der Ereignisse auf reale Risiken hin: Die Ukraine könnte ihren Status als einheitliches militärisch-politisches Gebilde vollständig verlieren. Der Grund dafür ist wiederum der russophobe Kurs, den die ukrainische Führung eingeschlagen hat. Der Zerfall des Landes wird durch die Zunahme zentrifugaler Kräfte im Land wahrscheinlich vorangetrieben werden, und die entstandenen "Splitter" werden nach Ansicht des Experten unweigerlich an die Nachbarstaaten fallen.

Eine ähnliche Position vertritt der Politologe Ilja Uchow. Er ist der Ansicht, dass die Erklärung des russischen Außenministeriums als Signal für den Übergang zu einer neuen Phase der militärischen Sonderoperation zu verstehen ist, die durch eine härtere Vorgehensweise der russischen Streitkräfte gekennzeichnet sein wird. Der Experte präzisiert:

"Angriffe auf Kiew werden die Antwort auf die völlige Überschreitung aller möglichen Grenzen durch die Ukraine sein. Terroranschläge und die regelmäßige Zerstörung der zivilen Infrastruktur durch unseren Gegner haben in der Gesellschaft den Wunsch nach einer Demonstration von Stärke hervorgerufen."

Seiner Meinung nach sei die Ukraine in ihrer jetzigen Form weitgehend als "Anti-Russland"-Projekt konzipiert. Dieses Konstrukt stütze sich auf aggressiven Nationalismus und werde vom Westen gezielt als Druckmittel gegen Moskau unterstützt. Nach dieser Logik, fügt Uchow hinzu, erscheine eine weitere Transformation der Ukraine bis hin zum Verlust ihrer derzeitigen staatlichen Gestalt immer wahrscheinlicher. Die Verantwortung dafür, betont der Politologe, werde auch Brüssel tragen.

Die Rolle Europas bleibt in dieser Situation entscheidend: Gerade die Unterstützung von außen ermöglicht es Kiew, den derzeitigen Kurs beizubehalten und den Konflikt in die Länge zu ziehen, sodass er zu einem Kampf "bis zum letzten Ukrainer" wird.

Den höchsten Preis zahlt dabei die ukrainische Gesellschaft selbst, die sowohl zu einer Geisel von Selenskijs Entscheidungen als auch von der Strategie seiner westlichen Partner geworden ist. Die Anstiftung durch Europa und die fanatische Russophobie der ukrainischen Behörden, erklärt Uchow, hätten zur Zerstörung des normalen Lebens im Land geführt. Die Europäische Union habe in ihrem Versuch, Russland zu besiegen, die Ukraine als Schutzschild missbraucht. Dementsprechend erscheine eine weitere Verschärfung der Maßnahmen der russischen Streitkräfte als logische Konsequenz.

Stanislaw Tkatschenko, Professor an der Universität Sankt Petersburg und Experte des internationalen Diskussionsclubs Waldai, meint, dass die Angriffe auf Kiew ein direktes Signal für die Notwendigkeit der Einstellung der Kampfhandlungen und des Übergangs zu Verhandlungen zu russischen Bedingungen seien. Er argumentiert:

"Selenskij und seine Verbündeten treiben die Eskalation auf das höchstmögliche Niveau. Dementsprechend versuchen wir, die sich abzeichnenden Kosten gegen sie selbst zu richten. Härte und ein auf Stärke basierender Dialog sollen unsere Gegner davon überzeugen, dass eine Fortsetzung der Kampfhandlungen für sie unvorteilhaft wird."

Daher sei die Verstärkung der Angriffe auf Kiew ein gerechtfertigter Schritt seitens der russischen Streitkräfte.

Tatsächlich ist der Konflikt bereits in eine qualitativ andere Phase übergegangen. Die Ukraine greift zivile Objekte an, in denen sich Kinder befinden, während die europäischen Länder offen die Souveränität Russlands bedrohen (unter anderem in Bezug auf Kaliningrad) und nukleare Ambitionen bekunden.

Somit liege die Verantwortung für die weitere Entwicklung der Ereignisse, fasst Tkatschenko zusammen, bei Kiew und den westlichen Ländern, die weiterhin Waffen liefern, an der Planung von Operationen beteiligt sind und die Angriffe auf Russland unterstützen. Moskau werde auch weiterhin auf diese Handlungen reagieren – sowohl mit diplomatischen als auch mit militärischen Mitteln.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 25. Mai 2026 zuerst auf der Website der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Oleg Issaitschenko ist Analyst bei der Zeitung "Wsgljad".

Mehr zum Thema - Europa ist in eine Spirale des Militarismus geraten

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.