
Ebola: Landen noch mehr infizierte US-Amerikaner in Deutschland?

Eines steht mit Sicherheit fest: Die US-Amerikaner, die im Kongo in Kontakt mit Ebola kamen, werden nicht zurück in die USA geflogen. Das hat die US-Regierung eindeutig erklärt. Stattdessen sollen sie auf dem neuen US-Stützpunkt Laikipia in Kenia behandelt werden. Das meldete Politico. Kenia soll dem zugestimmt haben; mehr als 30 Mitglieder des US-Gesundheitsdienstes sind bereits auf dem Weg dorthin.
Allerdings löst dieses Vorgehen in den USA Proteste aus, da bei früheren Ausbrüchen US-Amerikaner nach Hause transportiert wurden. "Es ist unmöglich, Ebola-Patienten in Kenia eine Pflege hoher Qualität zu gewähren, im Vergleich zu unseren hochmodernen Einrichtungen in den USA", kritisierte beispielsweise ein US-amerikanischer WHO-Funktionär. US-Außenminister Marco Rubio erklärte aber kategorisch: "Wir können und wir werden es nicht erlauben, dass irgendwelche Ebola-Fälle in die Vereinigten Staaten gelassen werden", zitierte ihn NBC.

Damit folgt er weitgehend dem, was Donald Trump bereits während des großen Ebola-Ausbruchs 2014, der mehr als 11.000 Todesopfer forderte, erklärt hatte: Die Vereinigten Staaten sollten es Menschen, die mit dem Virus infiziert seien, nicht erlauben, zurückzukehren.
Tatsächlich haben die USA schon seit 21 Tagen die Einreise von Nicht-US-Bürgern untersagt, die den Kongo, Uganda oder den Südsudan im Verlauf der letzten 21 Tage besucht haben. 21 Tage ist die maximale Inkubationszeit bei Ebola.
Der Aufenthalt der US-Amerikaner in Kenia könnte jedoch nur vorübergehend sein:
Regierungsmitarbeiter sagten, alle Amerikaner, die aufgrund ihres Kontakts mit dem tödlichen hämorrhagischen Fieber nach Kenia gebracht würden, würden dort vor allem die Quarantäne verbringen. Wenn sie erkrankten, bringe man sie letztlich nach Europa.
Europa, das dürfte vor allem Deutschland heißen. Nicht nur, weil bereits ein US-Amerikaner in der Charité behandelt wird. Als Begründung, warum er nach Deutschland gebracht wurde, hieß es, die Sonderisolierstation der Charité sei die größte in Deutschland, und nach Deutschland sei die Flugzeit kürzer. Die Bundesregierung hatte dieser Unterbringung zugestimmt. Es ist kaum anzunehmen, dass sie sich in zukünftigen Fällen weniger nachgiebig verhält.
Dazu kommt noch, dass mit dem US-Militärkrankenhaus in Landstuhl die größte medizinische Einrichtung der USA außerhalb der Vereinigten Staaten selbst in Deutschland liegt, also bei Bedarf auch US-Personal zur Verfügung steht, um die Behandlung zu überwachen. Aus US-Sicht ist Deutschland also eine günstige Lösung.
Ob es das auch aus deutscher Sicht ist, ist jedoch anzuzweifeln. Wenn die USA selbst, im Gegensatz zu früheren vergleichbaren Fällen übrigens, sich weigern, ihre eigenen Staatsbürger auf ihrem eigenen Gebiet behandeln zu lassen, warum sollte Deutschland das tun? Wenn es dort als zu riskant angesehen wird, welchen Grund hätte Deutschland, Risiken anstelle der USA zu übernehmen?
Übrigens haben die USA selbst 13 Kliniken mit derartigen Sonderisolierstationen. Weltweit sind es etwa 44, sieben davon befinden sich in Deutschland. Allerdings sind die Aufnahmekapazitäten begrenzt: Schon eine Station mit zehn Betten gilt als groß. Die Voraussetzungen sind nämlich hoch: Wasser- und Luftkreislauf müssen völlig von der Umgebung abgekoppelt sein, es braucht Luftschleusen, und auf der Station selbst muss Unterdruck herrschen, damit selbst bei einem Leck keine Luft von innen nach außen dringt. Die Vorschriften sind ähnlich wie bei einem Biolabor der Stufe 3.
Das Problem: Im Grunde sämtliche derartige Stationen sind, wie im Fall der Charité, an Universitätskrankenhäuser angebunden und liegen daher mitten in Großstädten. Das ist in den USA nicht anders als in Deutschland. Das Risiko einer Verbreitung aus der Station heraus ist zwar gering, aber nicht gleich null, was der Grund dafür sein dürfte, dass die US-Regierung keine Rückkehr Erkrankter in die USA will.
Die Sterblichkeit der mit diesem Erreger, der den aktuellen Ausbruch auslöste, infizierten Menschen liegt zwischen 25 und 40 Prozent. Die Zahl der Erkrankten im Kongo liegt aktuell nach WHO-Angaben bei über 1.000.
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