Wegen russischer Teilnahme: Deutschland erwägt Verzicht auf Ausrichtung von Eishockey-WM

Diese Woche entschied der Internationale Sportgerichtshof, russische Eishockey-Teams wieder zu internationalen Wettkämpfen zuzulassen. Insbesondere in Deutschland löst die Entscheidung Widerstand aus. Der die WM 2027 ausrichtende deutsche Verband zieht sogar eine Absage in Betracht.

Eine der besten Eishockey-Nationalmannschaften der Welt darf wieder an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Diese Entscheidung teilte der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in einer Pressemitteilung am Freitag mit. Damit ist der Internationale Eishockey-Verband IIHF verpflichtet, russische Nationalmannschaften wieder zu Wettbewerben zuzulassen, von denen sie seit 2022 ausgeschlossen waren.

Die Wiederzulassung betrifft wichtige Wettbewerbe, die in nächster Zeit anstehen, etwa die Junioren-Weltmeisterschaft in Kanada um die Jahreswende oder die Weltmeisterschaft der Frauen in Kanada im November 2027. Auch an der Weltmeisterschaft der Herren, die im Mai 2027 in Deutschland stattfinden soll, dürfen die russischen Eishockey-Spieler teilnehmen.

Dieses CAS-Urteil stößt beim Deutschen Eishockey-Verband (DEB) auf wenig Gegenliebe. Noch am selben Tag verkündete der Vorstandsvorsitzende Frank H. Lutz in einer Pressemitteilung: "Unsere Position ist unverändert: Wir lehnen die Rückkehr russischer Nationalmannschaften zu internationalen Eishockeyturnieren ab."

Das Urteil habe auch Auswirkungen auf die IIHF-Eishockey-Weltmeisterschaft 2027, die Deutschland ausrichten werde, hieß es weiter in der Pressemitteilung. Denn eine Zulassung Russlands habe für den Gastgeber "erhebliche sicherheitsrelevante, politische und wirtschaftliche Folgen." Lutz verzichtete indes darauf, diese Folgen näher zu konkretisieren und kündigte lediglich an: "Wir werten das Urteil jetzt gemeinsam mit der IIHF aus und informieren über die nächsten Schritte."

Einen Tag später berichtet die Presse, darunter die Braunschweiger Zeitung und das Sport-Portal Eishockey News, dass der DEB radikale Schritte nicht ausschließt. So soll der DEB-Vorstandsvorsitzende Lutz gegenüber MagentaSport am Rande eines Frauen-Länderspiels in Bremerhaven verkündet haben, man werde womöglich auf die Ausrichtung der Weltmeisterschaft verzichten.

Als Notlösung komme auch eine Rückgabe des Ausrichtungsrechts an den Veranstalter IIHF infrage, erklärte der deutsche Sportfunktionär: "Aber natürlich müssen wir uns als DEB auch mit der Option befassen, dass wir diese Weltmeisterschaft zurückgeben. Denn in ein wirtschaftliches Risiko, das wir nicht mehr stemmen können, können wir uns auch nicht begeben."

Lutz zeigte sich aber optimistisch, dass eine Lösung gefunden wird, und wolle keine Schwarzmalerei betreiben. Im Moment liege die Entscheidung ohnehin bei der IIHF, die sich in den kommenden Tagen mit den Auswirkungen des CAS-Urteils befassen werde. Allerdings bestehe die Gefahr, dass einzelne Nationalmannschaften die WM boykottieren, wenn die russische Mannschaft teilnehmen dürfe. So sei es beispielsweise in Lettland gesetzlich verboten, gegen russische Teams anzutreten.

Es handle sich auch um eine politische Entscheidung, erläuterte Lutz. Er werde deshalb kommende Woche nach Berlin fahren. Fraglich ist noch, ob die russischen Sportler überhaupt Visa für Deutschland erhalten würden: "Da habe ich überhaupt noch kein Gefühl für. Das wird sicherlich Gegenstand der Gespräche sein, wie weit die Bundesregierung zu gehen bereit ist." Eine entsprechende Forderung, russischen Eishockey-Spielern die Visa zu verweigern, hatte bereits die schwedische EU-Abgeordnete Karin Karlsbro an die Regierung Merz gerichtet.

Eigentlich stehen auch die Teilnehmer der Herren-WM im Eishockey schon fest. Wenn das WM-Teilnehmerfeld nicht aufgestockt wird, müsste die Ukraine als Aufsteiger weichen. Sollte auch die weißrussische Herrenmannschaft wieder zugelassen werden, beträfe das auch den weiteren Aufsteiger Kasachstan.

Im Interview mit dem Sportsender ran erklärte der Nürnberger DEB-Funktionär Stefan Ustorf die CAS-Entscheidung denn auch zur "doppelten Katastrophe" und empörte sich: "Ja, das ist das nächste, genau, dann schmeißt du die Ukraine raus. Für Russland."

Aber auch die Erweiterung der Anzahl teilnehmender Mannschaften sei keine Lösung, denn im Laufe des Turniers könnten ja Russen sportlich auf Ukrainer treffen, meint der Sportdirektor der Nürnberg Ice Tigers: "Wenn sich jetzt dann Russland und Ukraine auf dem Eis gegenüberstehen würden in Düsseldorf oder Mannheim, das ist – ich weiß gar nicht, wie ich das ausdrücken soll, aber das geht nicht. Das kannst du nicht machen."

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